Review: Katamari Forever – PS3

Kennt ihr diese Situation? Da hört und liest man wahre Lobeshymnen über ein Spiel, kann sich aber aufgrund der Beschreibung gar nicht richtig vorstellen, was daran so toll sein soll. Und dann, eines schönen Tages, bekommt man die Gelegenheit, das Spiel mal selbst auszuprobieren – und plötzlich versteht man es auf einmal ganz genau. Eins dieser Spiele war damals das nie in Europa erschienene Katamari Damarcy: Ein Spiel, bei dem man eine Kugel herumrollt, die dadurch immer größer wird, mit einer eher unspektakulären Grafik. Na ja, dachte ich mir, wohl wieder mal so ein typisch japanisches Nischenprodukt. Doch dann trudelte irgendwann der Nachfolger We Love Katamari bei mir ein seitdem bin ich absoluter Katamari-Fan. Nach den beiden genannten PS2-Teilen, einer PSP-Version und ein Abstecher auf die Xbox 360 ist die Serie mit Katamari Forever wieder bei Sony angekommen.

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Bei der Entstehung der Hintergrundgeschichte der Katamari-Spiele müssen definitiv Drogen beteiligt gewesen sein, anders kann ich mir so eine abgefahrene Idee nicht erklären: Dem König des Himmels sind die Sterne abhanden gekommen und deshalb schickt er seinen Sohn, den Prinzen, auf die Erde, um Ersatz zu besorgen. Da aber bekanntermaßen nicht allzu viele Himmelskörper auf unserem Heimatplaneten zu finden sind, muss das Problem auf andere Weise gelöst werden. Und da kommt Ihr im wahrsten Sinne des Wortes ins Spiel. Ihr lenkt den Prinzen, der eine Kugel – den (oder das?) Katamari – vor sich herrollt. Am Katamari bleiben kleinere Objekte kleben, die überall in den Levels verteilt sind. Dadurch nimmt der (oder das?) Katamari an Umfang zu, und so könnt Ihr größere Gegenstände aufrollen. Das geht so lange, bis entweder ein bestimmter Durchmesser erreicht oder die vorgegebene Zeit abgelaufen ist. Und schon habt Ihr einen neuen Himmelskörper erschaffen, den der weltfremde König in den Himmel schießen kann. In Katamari Forever kommt noch dazu, dass der König des Kosmos leider sein Gedächtnis verloren hat und deshalb sicherheitshalber eine Robo-Variante von ihm erschaffen wurde. So bekommt man abwechselnd Aufgaben vom „Original“ und von der Robo-Kopie.

Mehr braucht man eigentlich zum Spielprinzip nicht zu wissen. Klingt simpel? Ist es auch. Klingt langweilig? Ist es nicht. Es ist nämlich absolut erstaunlich, wie dieses einfache Prinzip immer wieder verändert wird. Es finden sich immer neue Variationen.

Zuerst sind da natürlich die Level selbst: Je nachdem, ob man in einem Klassenzimmer, unter Wasser oder sogar im Weltall herumkugelt, ändern sich die aufzurollenden Objekte sowie vor allem die Maßstäbe. Diese ändern sich aber auch innerhalb der Level. Es ist ein unglaublich cooles Gefühl, wenn man mit einem winzigen Katamari beginnt, nur Dosen und Büroklammern aufsammeln kann, aber nach einiger Zeit an die richtig großen Sachen heran kann. Und ich meine wirklich große Sachen: Elefanten, Häuser und berühmte Baudenkmäler sind da nur einige Beispiele auf dem Weg zum Mega-Katamari. Ungefähr die Hälfte der Level und Aufgaben kennen Serien-Fans schon aus den anderen Teilen, der Rest ist neu.

Auch die Aufgabenstellungen wechseln häufig. Ein Schneemann soll gebaut werden, eine brennende Kugel darf nicht ausgehen, oder es müssen genügend Glühwürmchen als Lichtquelle gesammelt werden. Knifflig wird es, wenn man mit möglichst wenigen unterschiedlichen Objekten möglichst große Katamaris bauen soll, oder der Level sofort endet, wenn man eine bestimmte Art von Gegenstand überrollt.

Besonders viel Wert haben die Entwickler auf die Unmengen von Objekten gelegt, die aus den verschiedensten Kategorien – Tiere, Essen, Büroartikel, Gebäude usw. Jäger und Sammler  können sich hier also richtig ausleben und ihre Kollektion natürlich auch per Menü genauestens betrachten. Unter all den Objekten finden sich in den Levels versteckt noch Geschenke, die neckische Accessoires für den Prinzen enthalten, sowie zahlreiche Cousins des Prinzen, die man auf Wunsch steuern kann.

Der Schwierigkeitsgrad ist perfekt auf ein unkompliziertes Spielvergnügen abgestimmt. Die einzelnen Aufgaben schafft man oft schon beim ersten Versuch, wer mehr Herausforderung will, kann dann schon erledigte Aufgaben erneut versuchen in der Hoffnung, noch größere Katamaris zu produzieren.

Wer schon mal – real oder virtuell – einen Panzer oder Bagger über das Zusammenspiel der beiden Kettenraupen gesteuert hat, ahnt, wie die Steuerung der klebrigen Kugel funktioniert: Nur mit Hilfe der beiden Analog-Sticks rollt man schon nach kurzer Einspielzeit vor- rück- und seitwärts geschickt durch die Level. Probleme gibt es allerdings ab und zu in engeren Räumen mit der Kamera, die dann nicht immer für den optimalen Überblick sorgt.

Die PS3-Version ist definitiv die bisher hübscheste Fassung – auch wenn das Spiel nicht dazu geeignet ist, die HD-Pracht der PS3 vorzuführen. Im Gegensatz zu den Vorgängern wird hierbei jedoch ein nett anzusehener Cell-Shading-Look verwendet sowie mit Farbfiltern gespielt.

Wer eine strikte Abneigung gegen J-Pop hat, wird bei der Katamari-Serie entweder leiden oder schnell die Musiklautstärke auf Null reduzieren. Allen Anderen wird es wohl so wie mir ergehen und sie werden sich wundern, warum einem noch Tage nach der letzten Spielsession die unglaublich eingängigen Melodien ständig im Kopf herumgeistern. Easy Listening zum Easy Gaming – die perfekte Kombination. In Katamari Forever hört man zumeist Remix-Versionen von Tracks aus den Vorgängern.

Fazit:

Ich befürchte ja, dass neben all den Weltkriegs-Shootern, Tuning-Racern und Sportspiel-Updates mal wieder kein Platz für ein etwas anderes Spielerlebnis sein wird – Katamari Forever hätte es wie seine Vorgänger aber auf jeden Fall verdient. Selten findet man ein so unbeschwertes Spielvergnügen, das leicht von der Hand geht und immer wieder für eine schnelle Runde motiviert. Der Schwierigkeitsgrad ist perfekt ausbalanciert, so dass kein Frust aufkommt und man schnell auf die Jagd nach neuen Bestleistungen gehen kann. Die skurrile Aufmachung ist sicherlich nicht jedermanns Sache, gefällt aber mit Japan-Charme und massig kleinen Details.

Lediglich die manchmal mangelnde Übersicht und der etwas geringe Umfang schmälern das positive Bild ein wenig. Aber trotzdem gibt es von mir eine klare Kaufempfehlung, nicht zuletzt deshalb, weil ich finde, dass ungewöhnliche Ideen auch einmal belohnt werden sollten.

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~ von rupickman - Oktober 11, 2009.

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