Review: F.E.A.R. 2 – Project Origin

Ich öffne die angelehnte Tür und gehe in die stockdunkle Toilette, in der mich nach dem Anknipsen der Taschenlampe eine Blutspur zu der letzten Kabine führt. Ich trete die Kabinentür ein und und sehe eine Leiche auf dem Klo sitzen, deren Kopf eine einzige, klaffende Wunde ist. Instinktiv weiche ich erschrocken zurück, will fast panisch aus dem Raum laufen, der Sound des Spiels suggeriert plötzlich höchste Gefahr, mein virtuelles Herz pocht. Ich bin der Hauptcharakter von F.E.A.R. 2 – Project Origin von Monolith Productions und Warner, einem Horror-Shooter der besonderen Art.

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Dabei beginnt F.E.A.R. 2 langsam, wie ein guter Film, und steigert sich im Verlauf der Levels. Hat man es zu Beginn nur mit gegnerischen Soldaten zu tun und erlebt noch wenig gruselige Momente, sondern eher taktische Kämpfe, wird der Horror-Faktor im Verlauf des Games immer heftiger. Wenn man einige Zeit nach der Explosion, die die Handlung des Games mit dem ersten Teil verbindet, in die Leichenhalle des verwüsten Krankenhauses eintritt und hinter jeder Tür Gefahr wittert, an jeder zweiten Ecke irgendetwas schockierendes findet, wenn (auch in der deutschen Version) überall Blut an den Wänden ist und man permanent unter Adrenalin steht, dann hat man von F.E.A.R. 2 noch nicht wirklich viel gesehen, man hat noch nicht die an den Wändern kriechenden Monster und die Totenbeschwörer erlebt, ist aber vom Feeling her schon mitten im Game.

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In Sachen Gameplay spielt sich F.E.A.R. 2 zunächst wie ein normaler Shooter, auch wenn es schnell auffällt, dass die Locations sehr aufwendig und mit viel Liebe zum Detail gestaltet wurden. Vor allem die offenen Räume, in denen viele der größeren Kämpfe stattfinden, sind derart gebaut, dass sich jeweils dutzende Verstecke und zerstörbare Objekte ergeben, so dass die Action immer auch damit kombiniert ist, sich irgendwo zu verschanzen, hervorzuspringen und alles im Schutt und Asche zu schießen. Es fühlt sich sehr realistisch an. Glas reagiert grundsätzlich auf Schüsse. Und es gibt viel Glas im Game. Aber das Spiel hat auch seine nennenswerten Besonderheiten: Neben den diversen Spezialfähigkeiten der Figur ist vor allem die KI der Gegner erwähnenswert, die keineswegs nur blöd auf den Spieler zulaufen, sondern sich verschanzen, die Flucht ergreifen, wenn es eng wird und sehr realistisch agieren. Dazu kommen noch die diversen Spezialfähigkeiten der eigenen Figur, die im Laufe der Zeit erlernt werden. Auch wenn F.E.A.R. 2 definitiv ein Action- und kein Taktikspiel ist, kommt man mit bloßem Ballern nicht gut an gegen die Gegner.

Grafisch ist das Spiel auf sehr hohem Niveau. Die packend vielen Details in den einzelnen Locations sind mit viel Liebe zum Detail und aufwendig gestaltet, Explosionen, Effekte und insbesondere die Außenlevels sind toll in Szene gesetzt. Vor allem wenn in den immer wieder vorkommenden Visionen, die die Story vorantreiben und die mit dem Spiel vernetzt sind, der Blick verschwimmt und man durch einen psychedelisch verwischten Schleier blickt und immer wieder gespenstische Gestalten (vor allem natürlich Alma) wahrnimmt, entfaltet das Spiel zudem einen ganz eigenen Reiz, der es von den vielen anderen Shootern unterscheidet. Der Sound ist realistisch und unterstützt mit dezent eingesetzter Musik immer wieder die Spannungskurven, die in das Game aufbaut. Insbesondere in den Schock-Momenten macht die Musik einen großen Teil der Atmosphäre aus.

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Fazit: F.E.A.R. 2 – Project Origin ist das geworden, was man nach der Vorabdemo von dem Spiel erwarten durfte: Ein schneller, actiongeladener Shooter, der gut designte Locations, vielfältige Gegnertypen und gutes Gameplay kombiniert mit einer wirklich überragenden KI, die man in anderen Games vergeblich sucht. Vor allem aber ist es die Story, die F.E.A.R. 2 von anderen Games der Kategorie unterscheidet: Die Geschichte des Games, erzählt in kleinen Häppchen, schockierenden Cutszenen und nervenaufreibenden, in das Spiel integrierten Visionen, in denen immer wieder die zentrale Figur Alma Wade vorkommt, ist erklassig und eigentlich filmreif. F.E.A.R. 2 ist ein früher Anwärter für den Titel des Ego-Shooters des Jahres.

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~ von rupickman - Februar 17, 2009.

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