Review: Fallout 3 (PC)

Die Fallout-Reihe zählt zu den Legenden des Rollenspielgenres und es war im Vorfeld viel Skepsis hinsichtlich des neuen, dritten Teils der Serie zu lesen: Das Game würde möglicherweise nicht mehr das einzigartige Flair der ersten beiden Teile haben, es könnte zu shooterlastig sein, befürchteten zumindest die Fans (zu denen ich mich, soviel sei gesagt, auch selbst zähle) nach den ersten Ankündigungen und den ersten Bildern, die vermeintlich eher einen Ego-Shooter zeigten. Die Angst war unbegründet, wie sich nun herausstellt: Fallout 3 ist in jeder Hinsicht ein echter Top-Titel des Rollenspielgenres, der durch die zusätzlichen Action-Elemente und die bombastische Grafik nicht ab-, sondern im Gegenteil eher aufgewertet wird…

Hinsichtlich des Gameplays merkt man schnell den hohen Grade an Erfahrung mit dieser Art von Games, die der Entwickler Bethesdas eindeutig hat (nicht zuletzt aufgrund des ebenfalls von der Firma entwickelten The Elder Scrolls IV: Oblivion): Die Kulisse von Fallout 3 wirkt schon auf den allerersten Blick wie eine eigene, in sich geschlossene Welt. Neben der meiner Einschätzung nach mindestens 25 Stunden umfassenden Hauptquest (die man aber nur dann in der Zeit durchzuspielen sein wird, wenn man kein Auge auf das Spiel und seine Details wirft und sich nicht davon ablenken lässt, was angesichts dieser Grafiken aber kaum möglich ist), benötigt der Spieler leicht noch einmal so viel Zeit zur Erfüllung der Nebenquests, die meistens selbst derart spannend sind, dass man die Haupthandlung auch zwischendurch mal für ein paar Stunden schlicht vergisst. Durch die sich oft gegenseitig ausschließenden Handlungsmöglichkeiten (als Beispiel sei hier nur genannt, dass man bereits zu Beginn vor die Wahl gestellt wird, ob man ein paar zwielichtigen Gestalten hilft, eine Siedlung in die Luft zu sprengen, was je nach Entscheidung zur Erschaffung einer ganz neuen Location unter der früheren Siedlung oder zu anderen Nebenhandlungen führt) bekommt man als Spieler zudem das Gefühl vermittelt, man könnte das Game ein paar Mal durchspielen, wenn man wirklich alles sehen will und man könne wirklich Einfluss auf den Spielverlauf nehmen. Die Entwicklung des eigenen Charakters, dessen Erschaffung zu Beginn relativ subtil direkt in das Spielgeschehen integriert wurde (man durchlebt zu Beginn in kurzen Episoden die Biographie des Helden und legt dabei die Werte, das Geschlecht und Ähnliches fest) spielt im Game eine tragende Rolle: Man verteilt in klassischer RPG-Manier Punkte auf verschiedene Fähigkeiten und entwickelt seine Figur nach und nach auch mit neuen Spezialfähigkeiten weiter, was echtes Rollenspielflair aufkommen lässt. In die schnelleren, nervenaufreibeneden Action-Sequenzen, die äußerlich tatsächlich an aktuelle Ego-Shooter erinnern, wurde mit dem sogenannten V.A.T.S.-Kampfsystem ein zusätzliches, rundenbasiertes Element integriert: So kann (und muss man auch oft genug) man die Echtzeit-Ballerei jederzeit unterbrechen, um einzelne Partien des Körpers des Gegners auszuwählen, die dann je nach Trefferchance (die wiederum mit Vorhandensein von Aktionspunkten steigt) direkt beschossen werden. Was auf dem Papier klingt, als würde der Spielfluss dauernd unterbrochen, wirkt in der Spielrealität sehr flüssig und gut durchdacht. Es funktioniert sogar so gut, dass man damit rechnen kann, dass dieses Feature in der Zukunft in anderen Games wieder auftauchen wird. Zu einem richtigen Shooter oder reinem Ballerspiel mutiert Fallout 3 jedenfalls zu keiner Zeit. Zur Orientierung und zur Verwaltung von Waffen, Items und Quests dient im Game der vom Spieler am Arm getragene und intuitiv zu bedienende Computer Pip-Boy 3000.

In Sachen Grafik hält Fallout 3, wie bereits angedeutet, nicht nur locker mit aktuellen High-End- Titeln mit, sondern übertrifft diese zum Teil sogar, was vor allem für die Spielumgebung gilt: Die riesige Endzeitwelt von Fallout 3 ist in jeder Hinsicht beeindruckend: Mit viel Wert auf das Detail erstellte, zerfalle Brücken, verlassene und zerstörte Schauplätze, das große Wasteland mit seine  kargen Vegetation, aus Schrott wiederaufgebaute Siedlungen, ausgebrannte Autos und andere Fahrzeuge sind dabei noch die Standardsettings, auf die man regelmäßig trifft, die aber in ihrer individuellen Erscheinungsform nie nur Kopien von schon Gesehenem sind. Die zahlreichen Gegner, flüssig animiert und vielfältig in ihren merkwürdigen bis grotesk-mutierten Erscheinungsformen und die durchdacht-glaubwürdigen NPCs, denen man im Verlauf des Games begegnet, tun ihr übriges, um das authentische Spielgefühl in der post-apokalyptischen Welt vollends zu komplettieren. Selbst Nostalgiker, die sich eine kleine Träne aus dem Augenwinkel wischen werden wegen der Abwesenheit der alten 2d-ISO-Ansicht (optional kann man in einer Ansicht von hinten umschalten, die Ego-Perspektive bleibt aber die beste Option), können hier nicht anders, als anzuerkennen, wie beeindruckend und kunstvoll diese fantastische, postapokalyptische Endzeitwelt umgesetzt wurde. Auch der schön in Szene gesetzte Sound, auf Wunsch untermalt von Musik aus den 50ern, die mit einem authentisch rauschendem Sound und unterbrochen von Moderatorenankündigungen aus den im tragbaren Computer eingebauten Radiosendern heraustönt, passt mehr als gut zum Flair des Games. Die Sprachausgabe kann ebenfalls als gelungen bezeichnet werden, auch in der deutschen Synchronisation. Die vielen unterschiedlichen Sprecher erledigen ihren Job mit viel Professionalität und hörbarer Begeisterung.

Fazit: Mit Fallout 3 ist den Entwicklern von Bethesdas ein Rollenspiel mit vielen Action-Elementen gelungen, dass nicht nur die Fans der Fallout-Reihe komplett zufriedenstellen wird und damit das große Erbe würdig verwaltet, sondern dass auch für Neueinsteiger in die Serie ein echter Leckerbissen ist. Das originelle Kampfsystem, die nicht-lineare Story und die Kombination von RPG-Elementen mit richtigem Shooter-Feeling machen Fallout 3 in jedem Fall nicht nur zu einem der heißesten Kandidaten für den Titel des Games des Jahres 2008, sondern vielleicht zum besten RPG aller Zeiten, an dem man, wenn man nicht gerade ein Hardcore-Gamer ist, sicherlich monatelang spielen kann. Grandios.

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~ von rupickman - Dezember 27, 2008.

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